Glyndebourne – ein Sommerritual

MeisterSinger-Markenbotschafter Björn Bürger ist der „Barbier von Sevilla“ beim diesjährigen Opernfestival Glyndebourne. Die Aufführungen in der südenglischen Provinz sind nicht nur eines der wichtigsten Ereignisse in der Opernwelt, sondern auch eine Ansammlung ganz besonderer Traditionen, Regeln und Rituale, sozialer wie ganz persönlicher Natur.

Stimmübungen am Morgen

Das beginnt bereits am frühen Morgen: Dem Ruf nach Glyndebourne folgen Sänger und Sängerinnen aus aller Welt. Untergebracht in den Kleinstädten der Umgebung und auf umliegenden Bauernhöfen, werden sie von Kleinbussen eingesammelt und zum Festspielhaus gebracht. Je nach Zusammensetzung der Passagiere ergibt sich dabei eine Lingua Franca; die Konversation kann auf Französisch beginnen, ins Deutsche fallen und wird vielleicht auf Französisch fortgesetzt. „Die wichtigsten Opernsprachen sind uns ja allen geläufig“, erklärt Björn Bürger. Für ihn startet jeder Tag – nachdem der Großstädter von Hahnengeschrei aus dem Schlaf gerüttelt worden ist – mit Stimmübungen, „mit dem Anwärmen des Instruments“, bevor er sich zu den morgendlichen Proben aufmacht. Wer von den Künstlern noch etwas Zeit hat, frühstückt in der Morgensonne auf dem Court Yard, der malerischen Open-Air-Kantine. Ein tägliches Musiker-Meeting bei gebackenen Bohnen, Spiegeleiern, Toast und Würstchen gibt es wohl nur hier; andere Rituale verbinden sie weltweit: „Natürlich gehört das Über-die-Schulter-Spucken, dazu, mit dem sich die Sänger vor dem Auftritt Glück wünschen“, sagt Björn Bürger.

0066_photographer Sam Stephenson
Kleiderrituale sind manchmal verzwickt: „Black tie“ auf der Einladung heißt für die Herren Smoking mit Fliege und nicht etwa schwarze Krawatte, wer dann noch zum Lackschuh greift kennt sich aus. © Glyndebourne Productions Ltd. Photo: Sam Stephenson
Picknick im Park

In den weitläufigen Parkanlagen von Glyndebourne werden derweil Bänke platziert, Beete herausgeputzt und Hecken in Form geschnitten; denn der Festival-Besuch hat auch einen bedeutenden Outdoor-Anteil. Wer nämlich das Glück hatte, beim jährlichen Kartenvorverkauf im Februar Tickets zu bekommen, zelebriert die traditionell lange Pause in der Aufführung mit einem Picknick im Park. Beim Festspielhaus lässt sich dafür ein gut gefüllter Picknickkorb bestellen, der dann von einem Butler auf dem Rasen serviert wird. Das ist nur angemessen, denn schließlich sitzt das Publikum in Smoking und Abendkleid auf Wolldecke und Klappstuhl.

Björn Bürger, der zum Ensemble der Frankfurter Oper gehört und dort für sein Glyndebourne-Engagement freigestellt wurde, hält sich auch in Südengland an einen persönlichen Brauch: Zur Premiere saß natürlich auch meine Frau im Publikum. Und gleich am nächsten Tag bin ich nach Wien geflogen, um bei ihrer Premiere dabei zu sein.“

Björn Bürger mit Oscar-Preisträgerin Emma Thompson
Auch die Premierenfeier ist ein liebgewonnenes Ritual: Björn Bürger nach der Babier-Premiere mit Oscar-Preisträgerin Emma Thompson. Photo: Privat