MeisterSinger unterwegs auf der SIHH – Ein Messebericht

Noch vor der Baselworld, auf der auch MeisterSinger seine Novitäten vorstellt, schaut die Uhrenwelt jedes Jahr im Januar auf den Genfer Uhrensalon SIHH. Aus einer Hausmesse der Richemont-Marken wie IWC, Cartier und Jaeger-LeCoultre sowie weniger befreundeter Unternehmen wie Audemars Piguet hat sich zuletzt eine umfassende Leistungsschau der Feinuhrmacherei entwickelt. Seit auch kleine und junge unabhängige Hersteller zu den Ausstellern zählen, zeigt der SIHH früh im Jahr, was bei den hochwertigen Zeitmessern Thema ist und Trend wird.

Unerwartet gute Stimmung

Und natürlich zeigt sich in Genf auch, welche Stimmung bei Produzenten und Einkäufern herrscht. Dabei ist es kein Geheimnis, dass die Branche zuletzt wenig Grund zum Feiern hatte; die Exportrückgänge der Schweizer Uhrenindustrie besonders im China-Geschäft und die Verteuerung ihrer Produkte durch die Abkopplung des Franken vom Euro haben den scheinbar grenzenlosen Uhren-Boom erheblich gebremst.

Auf dem diesjährigen Genfer Salon aber war die Laune unerwartet gut; nach Aussage vieler Juweliere sind nach wie vor die Marken erfolgreich, die ikonische Klassiker wie eine Daytona, eine Reverso oder eine Royal Oak im Portfolio haben oder die mit superteurem Hightech (Richard Mille) und/oder einzigartiger Gestaltung (Ressence) erfolgreich Nischenthemen besetzen. Entsprechend hatten bis auf wenige Ausnahmen die Hersteller nicht nur vorsichtige – und kostenschonende – Modellpflege betrieben, sondern wirklich Neues entwickelt.

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Verlässliche Ikone: „Royal Oak“ von Audemars Piguet, jetzt wieder in kräftigem Gelbgold.

Darunter war allerhand Astronomisches, vor allem Mondphasen, die erst nach 122 Jahren von den Erben des Käufers um einen Tag korrigiert werden müssen (wie bei der neuen Lange 1 Mondphase), oder realistische Darstellungen des Erdumlaufs um die Sonne (Vacheron Constantin) – sehr lange Zeiten waren eher Thema als die Kurzzeitmessung. Chronographen gab es bei den Herstellern zu sehen, die sich (wieder) dem Autorennsport verschrieben haben und neben Stückchen von original Grand-Prix-Reifen (Roger Dubuis) brandneue Hightech-Werkstoffe wie Graphen zum Einsatz bringen (Richard Mille).

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Uhrzeit nur am Rande: „Copernikus celestial spheres“ von Vacheron Constantin.

Daneben ist die ausgerufene „Wiedergeburt der Sportuhr“ eher ein nostalgisches Thema; die neuen Modelle stehen in der Tradition der vergleichsweise dezenten Dreizeiger-Sportklassiker der 60er- und 70er-Jahre (wie zum Beispiel die Laureato-Familie von Girard-Perregaux) – oder experimentieren nicht unironisch mit deren Ästhetik (Max Büsser & Friends).

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Uhren ohne Zeitanzeige auf dem SIHH

Dazu gehört auch das optische Freistellen der mechanischen Werke und die fast skulpturale Ausarbeitung der Zifferblätter und Indizes. So viel Dreidimensionalität wirkt wie eine entschiedene Entgegnung der Uhrmacher auf die flachen Monitore der Smartwatches, die in der Branche als ernsthafte Konkurrenz wahrgenommen werden.

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Die Dekonstruktion der Taucheruhr: Quallenförmige „Aqua Pod“ von MB&F.

Dasselbe gilt auch für ihr gestalterisches Gegenteil, Uhren, deren Zeitanzeige wie eine elektronische Projektion wirkt, aber mechanisch angetrieben wird. Vor allem bei kleinen Marken fanden sich mehr denn je Produkte, bei denen die Zeitanzeige nur noch eine kleine Nebenrolle spielt (Van Cleef & Arpels), und solche, die gar nicht mehr Uhr sind, sondern vor allem ein am Handgelenk zu tragendes Pläsier (wie das Labyrinth von Hautlence). Ob die Hersteller damit den Nerv getroffen haben, wird sich erst noch zeigen.

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Kein Uhrwerk, nirgends: „Playground Labyrinth“ von Hautlence.