Vom Minutenzeigen – Der lange Weg von der Westminster Abbey zur MeisterSinger aus Münster

Erst im späten 17. Jahrhundert bekamen die tragbaren Uhren einen zweiten Zeiger. Weil die Technik es ermöglichte – und die Zeit danach verlangte.

Die Armbanduhren von MeisterSinger weisen mit ihrem einzelnen Stundenzeiger und mit der Gestaltung ihrer Zifferblätter zurück in die Geschichte der Uhrmacherei: auf die Turmuhren des Mittelalters und auf Messgeräte, die zur Grundlage der modernen Welt wurden. In Türme eingebaut wurden die allerersten mechanischen Uhren nicht nur wegen der besseren Sichtbarkeit, sondern weil unter ihnen an langen Hanfseilen steinerne Gewichte hingen, die die eisernen Räderwerke in Bewegung hielten. Von Grobschmieden gefertigt und ständigen Temperaturschwankungen ausgesetzt, liefen diese Mechanismen nicht sehr zuverlässig. Aber ihr einzelner Stundenzeiger gewährte eine Übersicht über den Tageslauf.

Westminster_Abbey
Die Westminster Abbey Turmuhr in London – Noch immer eine Einzeigeruhr

Die Zeit als Schmuckstück

Durch die Erfindung der Zugfeder aber – oder vielmehr ihre Übertragung aus der Schlosserei auf die Zeitmesstechnik – entstanden ganz neue Möglichkeiten: Um 1430 entstanden die ersten Dosen- und Taschenuhren. Die Uhrzeit wurde unabhängig von Kirchen und Reisende waren zeitlich nicht länger orientierungslos, sondern konnten ihre Tagesetappen planen und Verabredungen treffen.
Ob es wirklich der Nürnberger Handwerksmeister Peter Heinlein war, der die ersten Taschenuhren konstruierte, steht heute sehr in Zweifel. Aber sehr wahrscheinlich trieb er die Miniaturisierung der Uhren mit voran. Ihre Ganggenauigkeit hätte heutigen Maßstäben nicht genügt. Der einzelne Stundenzeiger dieser Uhren aber genügte offenbar, um die Übersicht über den Tageslauf zu halten und auf nahende Termine hinzuweisen. Die auf die Minute genau zu planen bestand keine Notwendigkeit und wäre wohl niemandem eingefallen.

Nürnberger EI
Das Nürnberger Ei war eine der ersten tragbaren Uhren

Ende der Einzeigeruhren?

Es dauerte bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, bis der Niederländer Cristiaan Huygens durch zwei seiner Erfindungen die Zeitmessung wesentlich voranbrachte. Er beschäftigte sich intensiv mit den Pendelgesetzen – die von ihm konstruierte Pendeluhr zeigt eine sensationell geringe Gangabweichung von nur 10 Sekunden am Tag. Für die tragbaren Uhren erfand er 1657 die technische Entsprechung zum Pendel: die Unruh mit Spiralfeder, die wegen ihrer Eigenschwingung weit präziser funktionierte als ihre Vorgänger und sich innerhalb weniger Jahre überall durchsetzte.
Huygens Entwicklungen passten zum rationalen Geist der Zeit. Noch war die moderne Welt mit genau getakteten Verkehrsverbindungen und Produktionsmethoden nicht erstanden; aber überall erfanden die Wissenschaftler und Techniker die Messmethoden und -geräte dafür: Das Thermometer war 1597 entwickelt worden;1673 wurden unter einem der ersten Präzisionsmikroskope die Blutkörperchen entdeckt; und ab 1759 verbreiteten sich die sekundengenauen Schiffschronometer. Da trugen gewöhnliche Taschenuhren längst alle einen Minutenzeiger. In der Fachliteratur finden sich nur wenige Einzeigeruhren, die nach 1720 entstanden. Und diese wenigen Stücke verfügen alle über ein Schlagwerk, auf das sich offenbar die Aufmerksamkeit des Uhrmachers konzentriert hat – und mit dem sie noch mehr an die allerersten mechanischen Zeitmesser erinnern, die Turmuhren des Mittelalters.

Die Präzision einer MeisterSinger

An sie erinnern auch die Einzeigeruhren von MeisterSinger. Bei ihnen aber ist die Abwesenheit eines Minutenzeigers nicht Zugeständnis an eine technische Unzulänglichkeit. Die hoch präzisen mechanischen Werke der MeisterSinger-Uhren sind so ausgerüstet, dass der Stundenzeiger trotz seiner ungewöhnlichen Länge die Zeit sehr genau und ohne Spiel anzeigt.
Angetrieben von den Kalibern MSH01 und MSA01, die für die MeisterSinger-Premiumlinie Circularis konstruiert wurden, tut er das besonders lang, ohne an Genauigkeit einzubüßen. In zwei Federhäusern dieser Werke wird eine außergewöhnlich große Gangreserve von 120 Stunden aufgebaut. Technisch sind die MeisterSinger-Uhren ihren Vorläufern weit überlegen, ihnen im Geist aber eng verwandt: Ihre Besitzer gestalten ihren Tag, ohne ihn in Minuten und Sekunden zu zählen.

Circularis und MSH01
Das Circularis-Werk MSH01 steht für höchste Präzision und eine außergewöhnliche Gangreserve