Tradition und Uhren mit Seele

Seit 1903 kaufen Husumer bei  Juwelier Detlef Jensen schöne Uhren und Lebensart.

Husum sei eine „graue Stadt am Meer“, schrieb einst Theodor Storm, der berühmteste Sohn des nordfriesischen Städtchens, und verpasste seiner Heimat damit ein nachhaltig tristes Image. Dabei kann Husum natürlich auch ganz anders sein. An milden Frühsommertagen allemal, wenn die Sonne auf den Marktplatz scheint, den uralte und durchaus nicht graue Bürgerhäuser säumen. Hier, in dem Haus, in dem 1817 Theodor Storm geboren wurde, liegt das Juweliergeschäft Detlef Jensen. Gegründet 1903, ist es heute Familienbetrieb in dritter Generation: Seit dem Jahr 2000 wird es von Uhrmachermeister Peter Koch geführt, im Schaufenster ist seit über zehn Jahren immer die aktuelle MeisterSinger-Kollektion zu sehen.

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Kein Leben im Sekundentakt

Koch und seine Frau Andrea haben das Geschäft erst vor ein paar Jahren gründlich umgestalten lassen; hell und freundlich verbindet es moderne Ästhetik mit der Geschichte des uralten Backsteinbaus, der im 16. Jahrhundert entstand und in dem schon im frühen 19. Jahrhundert ein Uhrmacher arbeitete. An die Familiengeschichte des heutigen Eigentümers erinnern antike Stücke wie der 1914 vom Ahnherrn gefertigte Regulator und die hölzerne Ladenkasse von 1911. Bei Juwelier Jensen gibt es feinen Schmuck, Bestecke und natürlich auch silberne Taufgeschenke. „Wir sind hier aufgewachsen und natürlich eng mit der Stadt und ihren Menschen verbunden, wir sind seit langem eine Marke“, sagt Peter Koch. Husum habe dazu nicht nur „sehr viel Wind“ zu bieten, sondern auch klein strukturierte (Wind-)Industrie und immer mehr Tourismus. „Beides lässt neue Kunden zuziehen“, erklärt Andrea Koch, „darunter sind viele Menschen mit Freude an schönen Dingen und dauerhaften Werten.“ Und mit Sinn für die Uhren von MeisterSinger offenbar: „Die Circularis war gleich ausverkauft“, erinnert sich Peter Koch. „Die meisten Kunden, die wegen einer MeisterSinger ins Geschäft kommen, kennen sich mit der Marke bereits aus; andere begeistern sich für die Ästhetik der Uhren im Schaufenster und fragen schon mal, ob da denn nicht ein Zeiger fehle.“ Dann erklärt Koch gern bei einer Tasse Kaffee das Prinzip der Einzeigeruhr. „Die Besucher haben Zeit und sind aufgeschlossen für sorgfältig gestaltete, ungewöhnliche Zeitmesser.“ Dazu passe die Einzeigeruhr nicht nur gut ins Urlaubsthema, sondern in die Region; hier in Nordfriesland gilt Hektik nicht viel. Das Leben hat hier keinen Sekundentakt, und die Mittagspause wird von der Marienkirche gegenüber eingeläutet.

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Coole Uhrmacherei

Peter Koch führt die Tradition fort, über Land zu fahren, um die Wand- und Standuhren seiner langjährigen Kunden zu warten. – Wobei er sich weigert, in die antiken Stücke Quarzwerke einzusetzen: „Man kann den Uhren doch nicht die Seele klauen!“ Dass man sich um Husum noch kundig um solche Veteranen kümmert, kam auch in einem Fernsehbeitrag des NDR über selten gewordenen Ausbildungsberufe zur Sprache, in dem es vor allem um Tim Minchau ging, der bei Jensen Uhrmacher lernt. „Für uns wie ein Sechser im Lotto“, freut sich Peter Koch über den spürbaren Bekanntheitsschub, nachdem man, wie sich Andrea Koch  erinnert, „Termine vergeben musste wie ein Facharzt“. Und Tim Minchau ist offenbar genau so ein Glücksfall: Vor allem nämlich kein Verlegenheits-Uhrmacher. „Ich wusste schon mit 14, dass ich dieses Handwerk lernen wollte, ich fand es einfach cool,“ erinnert er sich. Schwer war es nur, im Norden eine Lehrstelle zu finden; Familie Koch überzeugte er bei einem Praktikum im Betrieb. Ob es ihm denn nichts ausmache, in einer Kleinstadt zu leben, in der jeder jeden kenne? „Im Gegenteil“, sagt er entschieden, „ehrlich gesagt hasse ich Großstädte.“ Dafür mag er alles, was den Uhrmacherberuf ausmacht: von der Beratung der Kunden bis zur Tüftelei am hohen Werktisch, die Lupe im Auge. Sein  Meister („Ich hab bei weitem nicht so viel Geduld wie Tim“) lobt den Perfektionismus seines Auszubildenden, der bei jeder Wartung wieder und wieder penibel auf einen perfekten Zeigerstand achtet. Bei dieser Leidenschaft ist es auch kein Wunder, dass sich Minchau für MeisterSinger-Uhren begeistert: „Ich kannte die Marke vorher nicht, aber das Prinzip hat mich gleich überzeugt.“ Und weil er sich nicht nur über die Zeitmesstechnik, sondern auch über deren ästhetische Gestalt Gedanken macht, hat er ein klares Lieblingsmodell: „Das ganz runde Design der Pangaea ist doch die perfekte Umsetzung der Einzeiger-Idee“, ist er überzeugt – ganz im Kontrast zu seinem Chef. Peter Koch nämlich findet das markante Gehäuse der Phanero besonders gelungen. Seine Frau hingegen zeigt gleich ein Lieblingszifferblatt: „Rensing-Green mit Sonnenschliff“.

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Überzeugendes Storytelling

Es ist sicherlich auch solch ein Gedankenaustausch im insgesamt sechsköpfigen Jensen-Team, die intensive Beschäftigung mit dem Produkt, die die Beratungsgespräche und das „Storytelling“ überzeugend und authentisch machen. Ein großes Stück Geschichte steht in diesem Herbst an, zu Theodor Storms 200. Geburtstag. Da wird bei Detlef Jensen zeitgenössische Kunst ausgestellt, die sich mit Storms bekanntester Novelle, dem „Schimmelreiter“,  auseinander setzt. Es geht darin auch um die Unbillen der Stürme an der Westküste, um die mörderisch tobende Nordsee, die das Land und die Menschen prägt . – Wobei die dann doch ganz anders sind an einem sonnigen Frühlingstag in Husum.