Ein Zeiger genügt – Die Subskriptions­uhren von Abraham Louis Breguet

Die Geschichte der Uhrmacherei wurde immer wieder durch einzelne technische Genies vorangetrieben. Überragt werden sie alle durch Abraham Louis Breguet, auf den eine ganze Vielzahl von Erfindungen zurückgeht, die bis heute eingesetzt werden. Gleichzeitig verschaffte er seinem Berufsstand auch ökonomisch neue Perspektiven – unter anderem mit dem Verkauf legendärer Einzeigeruhren, den „montres à souscription“. Und die hatten mit den moderneren MeisterSinger-Zeitmessern viel mehr gemein als nur die Reduzierung auf einen einzelnen Stundenzeiger.

Feine Uhren für feine Leute

Als Breguet 1796 in Paris seine Subskriptionsuhren vorstellte, schien die Zeit der Einzeigeruhren eigentlich längst vorbei. Nachdem die immer genauer laufenden Turmuhren – fast alle – längst einen Minutenzeiger trugen, waren seit fast hundert Jahren auch die allermeisten Taschenuhren damit ausgerüstet: Christiaan Huygens’ Erfindung der Spiralfeder hatte die tragbaren Instrumente so präzise und zuverlässig gemacht, dass man mit ihnen minutengenau messen konnte. Nicht zuletzt war es die von Breguets entwickelte Endkurve in der Federform, die diese Genauigkeit noch weiter gesteigert hatte. Sie gehörte zu einer ganzen Reihe großartiger Erfindungen, mit denen sich Breguet schon hervorgetan und die Feinuhrmacherei bereichert hatte: der automatische Aufzug für Taschenuhren zum Beispiel, eine zuverlässige Stoßsicherung oder Tonfedern für Repetitionsmechanismen. Breguet-Uhren waren auch deshalb längst eine hoch geachtete Luxus-Marke, weil sich der Gründer auch um eine einheitliche Formensprache gekümmert hatte: Seine Uhren trugen typische Breguet-Zeiger und -Ziffern.

Uhrmacher-Genie: Abraham-Louis Breguet (1747–1823) entwickelte neben technischen Finessen wie der Stoßsicherung und einer speziellen Form der Spiralfeder auch moderne Marketing-Methoden wie die Subskriptionsuhr. (Morphart Creation/ shutterstock.com)

Kluges Marketing

Solche hochfeinen Zeitmesser, mit enormem Aufwand hergestellt, waren einem kleinen Kreis reicher Käufer vorbehalten, die sie als Einzelstücke in Auftrag gaben. Im nachrevolutionären Frankreich allerdings fiel der Hochadel, Breguets ehemals wichtigste Klientel, als Kundenkreis weg. Dafür etablierte sich, wie überall in Europa, ein neues Bürgertum: selbstbewusst, technikaffin und zunehmend wohlhabend. Wohl für diese Schicht – und in deren rational kaufmännischem Sinne – erdachte Breguet seine Subskriptionsuhr, die er in Prospekten bewarb: Vergleichsweise preiswerte Zeitmesser, für die der halbe Kaufpreis von 600 Pfund bei Bestellung gezahlt werden musste. Breguet konnte damit in seiner Neuenburger Heimat die Fournituren kaufen und die Produktion vorausplanen, was sich heute wie die Vorstufe zu einer echten Serienproduktion ausnimmt. Es ist schwer zu bestimmen, welcher heutigen Summe die damalige Kaufkraft von 600, erst kurz zuvor eingeführten, Pfund entspricht. Offenbar war eine solche Uhr weiterhin eine große Anschaffung, hatte etwa den Preis von sechs leistungsfähigen Reitpferden für Handlungsreisende oder zwei hochwertigen Druckerpressen für aufstrebende Verleger. Mit wohl 700 verkauften Exemplaren dürften die Subskriptionsuhren dennoch ein großer wirtschaftlicher Erfolg für Breguets Unternehmen gewesen sein.

Subskriptionsuhr_Blogbeitrag
Übersichtlich dank Fünf-Minuten-Teilung: Subskriptionsuhr von Breguet mit markentypischen Ziffern auf Emailleblatt und dem charakteristischen, hier aber extralangen Stundenzeiger. (Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen, Inv.-Nr. K-055)

Vernunft und Schönheit

Die Käufer bekamen eine zuverlässige, sachlich gestaltete Uhr, die natürlich als Breguet-Produkt zu erkennen war. Der Verzicht auf den Minutenzeiger war sicherlich eine Sparmaßnahme, wirkte vielleicht aber auch wie eine sinnvolle Rationalisierung der Zeitanzeige: Die 5-Minuten-Teilung der umlaufenden Minuterie genügte offenbar den Ansprüchen bürgerlicher Zeitwahrnehmung und -planung. Und weil Breguet sein Publikum kannte und wusste, dass seine Produkte keine reine Spar-Ausführung sein durften, hatte er den Boden der Uhren so gestaltet, dass man dem sorgsam finissierten Werk bei der Arbeit zusehen konnte. Manche dieser Uhren zeigen eine um 180 Grad gedrehte, zweite Stundenmarkierung – wurden diese sichtbar um den Hals getragen, so konnte die Uhrzeit sowohl von ihrem Träger, als auch von seinem Gegenüber abgelesen werden. Das ist natürlich nur mit Einzeigeruhren möglich. Und genauso sinnvoll war ihr Anzeige-Prinzip bei der Verwendung als „montre à tact“ – den abtastbaren Uhren, die der findige Abraham Louis Breguet 1799 vorstellte: robuste Zeitmesser die sich im Einsatz für Sehbehinderte genauso bewährten wie in nächtlichen, damals noch oftmals unbeleuchteten Straßen.

Feine Werke aus der Schweiz, ein klares ästhetisches Prinzip mit sinnvoller Minuterie, der Einblick ins Werk: Einzeigeruhren, wie sie MeisterSinger baut, haben eine eigene, große Tradition, zu der die Überzeugung gehört, dass ein Zeiger vollauf genügt.