Schluss mit Sommerzeit – und mit der Zeitumstellung?

Am letzten Sonntag im Oktober endet in Mitteleuropa die Sommerzeit.

Das ist seit 1996 verbindlich geregelt. Eingeführt worden ist die Zeitumstellung aber fast überall schon 1980. Und in den beinahe vier Jahrzehnten seitdem ist nicht nur das jährlich zweimalige Umstellen der Uhren, sondern die Diskussion darüber zum festen Ritual geworden. Zuverlässig markieren in Frühjahr und Herbst politische Debatten über das Für und Wider, launige Umfragen und konträre Studien von Schlafmedizinern den Beginn und das Ende der Sommersaison. Weil die Kritik an der Zeitumstellung dabei stets folgenlos blieb, hätte man die Zweiteilung des Jahres für eine kalendarische Notwendigkeit, ja fast für eine Naturgesetz halten können.

Das letzte Mal

Nun aber soll Schluss sein mit der Sommerzeit in der EU, sie wurde quasi abgewählt. Schon ab dem kommenden Jahr womöglich wird es nur noch die, nein, nicht Winter-, sondern Normalzeit geben. Und das bedeutet natürlich die Aufgabe der beschriebenen Rituale. Aber es richtet damit den Blick auf ein anderes Ritual: das letzte Mal. Wenn wir das hören, denken wir jetzt im Herbst womöglich zunächst einmal an Verlust, an Abschied und Wehmut: das letzte Mal auf dem Boot für dieses Jahr, ein letzter Spaziergang vor dem Umzug. Dabei kann das letzte Mal auch etwas sehr Erfreuliches sein: Die letzte Matheklausur im Leben oder der allerletzte Elternabend. Oder: die wirklich letzte Zigarette. Das sind – genau wie all die ersten Male – alles Ereignisse, die die verrinnende Zeit gliedern. Und an die wir uns noch lange erinnern, an Monat, Tag und Stunde womöglich, ganz sicher nicht an Minuten und Sekunden. Und vielleicht sagen wir zukünftig zweimal im Jahr: „Wisst Ihr noch, die Zeitumstellung?“

In diesem Jahr wird die Zeit auf jeden Fall noch einmal umgestellt: In der Nacht vom 27. auf den 28. Oktober, um eine Stunde zurück. Die Justierung dauert nur einen kleinen Moment, gibt einem aber doch Gelegenheit, über den vergangenen Sommer und die bevorstehende Normalität nachzudenken. Und womöglich ist es ja auch das letzte Mal.