Immer wieder neu erfunden

Der Chemnitzer Juwelier Roller hat seine zwei Filialen unterschiedlich ausgerichtet.

Roller_Eingang_Atelier

Mitten in der Chemnitzer Innenstadt, zwischen malerischen historischen Bauten und modernen Einkaufspassagen, liegen die beiden Ladengeschäfte von Juwelier Roller: die „Galerie“ am Neumarkt und, nur wenige Gehminuten entfernt, das „Atelier“ in der Inneren Klosterstraße, wo auch die Kollektion von MeisterSinger ausgestellt ist. Gegründet wurde das Familienunternehmen bereits 1886, seinen Standort aber hat es seitdem immer wieder gewechselt.

Im Zweiten Weltkrieg ausgebombt, überdauerte Roller die DDR in einem alten Kiosk am Hauptbahnhof – und in einer besonderen Situation: „An Kunden gab es keinen Mangel, der kleine Laden war immer rappelvoll, aber es war schwierig, überhaupt an Ware zu gelangen“, erinnert sich Carsten Schmidt-Kippig, der zur fünften Generation der Roller-Familie gehört und die Jahre unter der sozialistischen Planwirtschaft aus den Erzählungen seiner Eltern kennt.

Nach der Wende zog die Firma in repräsentativere Räume am Theaterplatz. Eine feine Adresse, aber wie die bald darauf wieder eingerichtete zweite Filiale am historischen Standort der 70er und 80er Jahre in der Bahnhofstraße zu weit entfernt vom sich später bildenden Innenstadtkern. Dahin zog Roller im Jahr 2000 weiter: in die Galerie Roter Turm am Neumarkt. 2003 wurde mit dem Atelier der jetzige Hauptsitz eingerichtet. „Die Chemnitzer haben die Entwicklung mit verfolgt und bemerkt, der Roller hat sich neu erfunden“, sagt Schmidt-Kippig.

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Das „Atelier“ liegt in der Inneren Klosterstraße, wo auch die Kollektion von MeisterSinger ausgestellt ist.

Umfassender Service

Dass die zwei Geschäfte unterschiedliche Logos tragen, hat Methode. Am quirligen Neumarkt gibt es kommerziellere Ware; exklusiver Schmuck und sehr hochwertige Uhren werden auf der ruhigeren, gegenüberliegenden Marktseite im Atelier angeboten. Die zwei Stockwerke dort sind hell und modern eingerichtet, mit viel Weiß und farbenfrohen Polstermöbeln für die Beratungsgespräche – ein interessanter Kontrast zum Blick auf die Jakobikirche und das Alte Rathaus gleich gegenüber. Auf der ersten Etage liegt auch die offene Werkstatt der Roller-Goldschmiede. Das Haus bietet nicht nur umfassenden Service für Uhren und Schmuck, sondern kann eigene Kreationen umsetzen, die mit den Kunden entwickelt werden. Unter denen seien viele neu Zugezogene, hat Schmidt-Kippig beobachtet. „Chemnitz ist keine traditionsreiche Kulturhochburg, kein Dresden“, räumt er ein. Aber das biete auch Vorteile: „In Chemnitz kann man sich nicht in einem einschlägigen Milieu den eigenen Geschmack verderben.“ Der Geschmack seiner Kundschaft sei denn auch nicht barock, sondern eher modern. „Hier geht Weißgold vor Gelbgold“, bringt er den Hang zur Dezenz auf den Punkt. Die Zurückhaltung gilt aber nicht beim Erwerb von Uhren und Juwelen: „Wir verkaufen längst nicht mehr vor allem in der Vorweihnachtszeit, sondern eher unterjährig, gerade ohne äußeren Anlass: ,Ich mach das jetzt einfach mal!’ oder ‚Wir gönnen uns das jetzt!‘, heißt es dann.“

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Hat sein Publikum und dessen Interessen stets im Blick: Carsten Schmidt-Kippig.

Online-Verkauf

Weil Schmidt-Kippig sein Publikum und dessen Interessen immer genau im Blick behalten hat, gab es schon früh einen umfangreichen Online-Auftritt. 1992  ins elterliche Geschäft eingetreten, war er schon immer für die Digitalisierung zuständig. „Wir haben seit 1996 auch übers Netz verkauft, nur hieß das noch nicht Online Shop. Und immer haben viele Kunden per Mail bestellt und sich die Ware dann zusenden lassen oder bei uns im Geschäft abgeholt.“ Zu diesem früh erschlossenen Vertriebsweg passt bestens, dass Roller früh auch hochwertige Smartwatches ins Sortiment aufgenommen hat. „Ein typisches, schnelllebiges Online-Geschäft, das wenige Wochen nach der Einführung eines neuen Modells richtig gut läuft und dann bald wieder nachlässt. Auch diese Käufer holen sich die Uhr gern im Laden ab, aber zu beraten brauche ich sie oft nicht, die wissen genau, was sie wollen.“

Die Begegnungen mit den MeisterSinger-Kunden verlaufen ganz anders. Die seien bei Roller eher über 40 Jahre alt und gern bereit, über Uhren zu philosophieren, über Zeit, Industrialisierung und eilende Minuten. „Gespräche, in denen man etwas vom und über den Kunden lernt“, sagt Schmidt-Kippig. Dabei sieht er MeisterSinger keineswegs auf das Ein-Zeiger-Prinzip und den Entschleunigungs-Gedanken beschränkt: Er wünscht sich, dass die Marke noch mehr Designpreise gewinne – die Roller jeweils umgehend auf der Homepage lobend erwähnt. MeisterSinger dürfe ruhig etwas lauter sein, viraler, und noch mehr Geschichten erzählen.

Roller ist nicht nur in seinem umfangreichen Online-Auftritt umtriebig, sondern lädt seine Kunden zu Kultur-Events oder besucht mit ihnen Uhrenhersteller im nahe gelegenen Glashütte. Und man setzt auch erfolgreich auf herkömmliche Medien: Einmal im Jahr erscheint ein umfangreicher, aufwendig produzierter Hauskatalog. Dass die Institution Baselworld nach dem Abzug der Swatch Group erheblich schwächelt, ist für Carsten Schmidt-Kippig „eine Katastrophe. Ich brauche doch die Übersicht über die Branche. Und nach der Messe rufen mich gute Kunden an, wollen dringend wissen, was ich gesehen und eingekauft habe“.

Bei so viel Engagement seiner Kundschaft macht er sich keine Sorgen über die nachfolgende Generation. „Die Kinder kommen ja mit ins Geschäft, werden in ihren Familien ans Thema herangeführt. Und ich sehe dieses viel beschworene Desinteresse gar nicht.“ Aber natürlich ruht man sich bei Roller nicht aus; demnächst zieht man wieder weiter. Diesmal allerdings nur wenige Meter weit, bis ins Nachbargeschäft. Dann hat das Atelier stolze 400 Quadratmeter Fläche, Raum genug für neue Ideen.

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