Das Beste kommt zum Schluss

Die Finissierung mechanischer Uhrwerke ist weit mehr als bloßer Schmuck

Viele Uhren von MeisterSinger tragen auf der Rückseite einen gläsernen Boden, durch den sich das Werk betrachten lässt. Die Faszination, die von diesem komplexen Stück Technik ausgeht, liegt nicht nur in seiner steten und zuverlässigen Bewegung. Interessant sind die Kontraste von matten und glänzenden Flächen und die wechselnden Lichtreflexe auf Rädern und Platinen. Tatsächlich gehört es zu den uhrmacherischen Kerntugenden, dass in einem hochwertigen Werk keine plane Fläche ungeschliffen und keine Kante ungebrochen bleibt. Finissierung oder französisch „Finissage“ nennen die Handwerker die letzten Arbeitsschritte an den Werksbestandteilen. Verschiedene Schliffe gehören genauso dazu wie das sorgfältige Entgraten, Gravuren, Vergoldung und Rhodinierung.

Leichter Lauf durch Finissierung

Der Zweck dieser aufwendigen Bearbeitung war anfangs nicht etwa Dekoration, sondern die möglichst große Leistungsfähigkeit der zierlichen Werke in Taschen- und Armbanduhren. Die großen und grob geschmiedeten Zahnräder der frühen Turmuhren ließen sich von Flugsand oder Taubendreck kaum irritieren. Die Unruh tragbarer Zeitmesser aber kann schon durch ein Staubfädchen zum Stillstand gebracht werden. Die dünnste Rostschicht blockiert das feine Räderwerk. Weil staub- oder gar wasserdichte Gehäuse noch unbekannt waren, entwickelten die Feinuhrmacher besondere Methoden zur Behandlung aller metallischen Oberflächen. Spiegelblank polierter Stahl ist weniger korrosionsanfällig als raues, unbehandeltes Material. Durch die Perlage – den „Wölkchenschliff“ – wurden Unebenheiten auf großen Flächen nivelliert, durch das Entgraten verhindert, dass Späne von unsauberen Kanten ins Räderwerk geraten. Die Kehlung der Räder war für einen steten Fluss der organischen Schmieröle unabdingbar.

Die MeisterSinger Archao wurde mit einer alten Guillochage-Maschine aufwendig veredelt.
Die MeisterSinger Archao wurde mit einer alten Guillochage-Maschine aufwendig veredelt.
Alte Guillochage-Maschine von 1912.
Alte Guillochage-Maschine von 1912.

Vom Staubfänger zur Dekoration

So ist gar nicht erstaunlich, dass seit jeher eine sorgfältige Finissierung notwendig ist, damit eine Uhr das begehrte „Genfer Siegel“, das Poinçon de Genève, tragen darf. Neben dem Herstellungsort Genf und vorgeschriebenen Konstruktionsmerkmalen sind auch auch Schliff und Politur sämtlicher Stahlkanten, Schraubenköpfe und weiterer Oberflächen vorgeschrieben. Die typischen „Genfer Streifen“ (Côtes de Genève), die sich auch auf den Brücken und Rotoren der MeisterSinger-Uhren finden, sind vielleicht der bekannteste Schliff. Ursprünglich dienten ihre rauen Rippenstrukturen auch als „Partikel-Fänger“, an dem Staub hängen blieb, bevor er auf Achsen und in Räderlagern Schaden anrichten konnte.

Weil aber die mit großem Geschick und enormem Zeitaufwand vorgenommenen Veredelungen so interessant anzusehen sind, sie das Licht hübsch brechen und die perfekt um 45 Grad abgeschrägten Kanten die Form einer Brücke oder Platine so elegant betonen, war die Finissierung auch sichtbarer und präsentabler Beleg für die Hochwertigkeit des Produkts. Und das blieben sie seitdem, auch wenn heute manche der Maßnahmen gar nicht mehr nötig sind. Längst sind die Gehäuse unserer Uhren zuverlässig abgedichtet, moderne CNC-Fräsen stellen makellos saubere Teile her, die nicht entgratet zu werden brauchen. Und die für die Uhrmacherei entwickelten synthetischen Öle fließen auch ohne Kehlung ins Zentrum des Zahnrads.

MeisterSinger setzte von Anfang an auf hochwertige und außergewöhnliche Veredelungstechniken (Modell: Edition 1Z, ca. 2001).
MeisterSinger setzte von Anfang an auf hochwertige und außergewöhnliche Veredelungstechniken (Modell: Edition 1Z, ca. 2001).

Funktion verloren, Sinn gewonnen

Manche Veredelungstechniken haben damit ihre technische Funktion verloren, aber längst eine weitere Aufgabe dazugewonnen: Im Wettbewerb der Uhrenmarken können sie die Produkte eines Hauses deutlich kennzeichnen. Die mechanischen Werke in MeisterSinger-Uhren tragen im Werk thermisch behandelte Schrauben. Beim sorgfältigen Erhitzen auf 300 Grad Celsius haben sie sich mit einer dünnen Schicht Magnetit überzogen – und zeigen alle dasselbe kräftige Blau. Natürlich lässt die Anglierung der einzigartigen Räderwerksbrücke deren Schwung erst so richtig hervortreten. Und beim Kaliber MSA01, das eigens entwickelte Werk welches die Circularis Automatik antreibt, setzt sich der Kreisschliff (Côtes circulaires) der Brücke auch in der Struktur des Rotors fort.

Finissierung nach MeisterSinger-Art: Kaliber MSH02 mit Kreisschliff für das eigens entwickelte Werk der Circularis Gangreserve.
Finissierung nach MeisterSinger-Art: Kaliber MSH02 mit Kreisschliff für das eigens entwickelte Werk der Circularis Gangreserve.

Auch wenn die Armbanduhren einen Glasboden tragen – offen zu sehen ist die Finissage zumeist nicht. Aber der Besitzer einer solchen Uhr sieht sie sehr wohl, beim Anlegen oder dem Aufziehen der Uhr. Und dann vergewissert ihn der Blick auf das Werk, dass er einen wirklich hochwertigen Zeitmesser trägt, mit dem sich ein geschickter Fachmann große Mühe gegeben hat.

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