Rituals of the World – Vesakh (Buddhas Geburtstag)

Einheit in Vielfalt

Gefeiert wird Vesakh mit großen Prozessionen nach dem Lunisolarkalender.
Gefeiert wird Vesakh mit großen Prozessionen nach dem Lunisolarkalender.

Buddhas Geburtstag wird von Land zu Land an einem anderen Tag gefeiert. Und doch eint das Fest die Buddhisten in aller Welt.

Große Lehrer hinterlassen ein Werk, das über Generationen verschieden gedeutet und interpretiert wird. Und spätestens wenn sich ihre Lehre weltweit verbreitet, werden auch die von ihnen begründeten – oder sie ehrenden – Feste an unterschiedlichen Tagen gefeiert, auch weil andere Kalender verwendet werden. Man denke nur an das christliche Osterfest, dessen Datum die orthodoxen Kirchen anders berechnen als Katholiken und Protestanten.

Genau so verhält es sich auch mit den Feierlichkeiten zu Buddhas Geburtstag. Dieses bedeutendste buddhistische Fest wird stets im Frühjahr begangen, 2019 zwischen dem 12. Mai (China) und dem 17. Juni (Bhutan). Wir richten uns hier im Blog nach dem von der Uno festgelegten Datum: dem ersten Vollmondtag im Mai, das ist in diesem Jahr der 19., an dem zum Beispiel in Singapur, Vietnam, Indonesien und vielen westlichen Ländern gefeiert wird. Und während das Fest viele verschiedene Namen trägt, verwenden wir hier den wohl bekanntesten: Vesakh. Groß ist ebenfalls die Spanne der Rituale, mit denen die Menschen diesen Tag begehen. Und das ist auch gar nicht erstaunlich; schließlich wird gleich dreier bedeutender Ereignisse gedacht: des Geburtstags, der Erleuchtung und des Todes von Siddharta Gautama, dessen Ehrentitel Buddha so viel bedeutet wie „der Erwachte“ und der buddhistischen Lehre den Namen gab. Buddhas Leben – im 6. und 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung – und seine Entwicklung vom verwöhnten Adelsspross zum Wanderprediger – sind in zahlreichen Legenden überliefert. Die Schauplätze seines Wirkens in Nordindien stehen in hoher Verehrung; hier wie in den Ländern, die der Buddhismus später erreichte, setzten Lehre wie Legenden auch auf ältere religiöse Riten und Traditionen auf.

Kunstvoll gestaltete Laternen werfen ein bezauberndes Licht in die Nacht.
Kunstvoll gestaltete Laternen werfen ein bezauberndes Licht in die Nacht.

Buddha baden

Weit verbreitet ist der Brauch, an Vesakh besonders großzügige Gaben an die buddhistischen Mönche zu verteilen, die zuvor ihre Klöster festlich schmücken. In Indonesien umrunden sie dann zu Tausenden, Mantren rezitierend, bedeutende Tempel. Die Erleuchtung Siddharta Gautamas feiern die Gläubigen in Südkorea bei nächtlichen Laternen-Prozessionen. In manchen Ländern beweist man seine Mildtätigkeit und den Respekt vor aller Kreatur auch durch den Erwerb von Singvögeln und anderen kleinen Tieren, die dann aus ihren Käfigen in die Freiheit entlassen werden. Und auch der Brauch, kleine Buddha-Statuetten mit ein wenig Flüssigkeit zu übergießen, variiert von Region zu Region: In Taiwan reicht klares Wasser; in Japan wird dafür ein besonderer süßer Tee aus Hortensien zubereitet.

Ritual mit Tradition: zahlreiche Lichter sollen etwas Gutes in die dunkle Welt bringen und so Respekt gegenüber Buddha bekunden.
Ritual mit Tradition: zahlreiche Lichter sollen etwas Gutes in die dunkle Welt bringen und so Respekt gegenüber Buddha bekunden.

Freiheit schenken

So sehr sich also Kalender, Datum, Name und Brauchtum unterscheiden, so sehr hat das Fest für die buddhistischen Gemeinden weltweit verbindenden Charakter. Vielerorts weht an Buddhas Geburtstag die internationale buddhistische Flagge. Und selbst in Nordkorea, in dem die offizielle buddhistische Gemeinschaft eine winzige Minorität darstellt, wird das Fest als offizieller Feiertag respektiert.

Vesakh steht für die Idee einer Einheit in Vielfalt. Ein ziemlich moderner Gedanke einer zweieinhalb Jahrtausende alten Lehre. Und auch darum ein ganz besonderes Ritual.

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